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Kategorie: Zeitgeschichte, Personen
01.09.2013

Neuschwabenland

Von: Tom Krink

NEU-SCHWABENLAND

MYTHOS AM ENDE DER WELT

NEU-SCHWABENLAND
MYTHOS AM ENDE DER WELT
Siegfried Sauter war Luftbildner der
Deutschen - Antarktis - Expedition
1938/39

Eine spektakuläre Expedition an den Südpol zur
Jahreswende 1938/39 war wohl das größte Abenteuer
im Leben des Waiblinger Fotografen Siegfried
Sauter.  Im Frühsommer letzten Jahres verstarb er als letztes, bis dahin noch lebendes Besatzungsmitglied. In einem Gespräch, einige Monate vor seinem Tod, konnte er uns seine spannende Geschichte noch erzählen.

Der damals 23-jährige war Mitglied eines
82-köpfigen Expeditions-Teams, das im ewigen
Eis ein 600 000 Quadratkilometer großes Gebiet
für das Deutsche Reich in Anspruch nahm. „Neu
- Schwabenland“ -benannt nach dem Expeditionsschiff-
wurde vermessen, kartiert und fotografiert.
Eine der wichtigsten Funktionen dabei übernahm
Siegfried Sauter. Als einer von zwei Luftbildnern
war es seine Aufgabe, von einem Flugboot aus die
antarktische Landschaft, aus der teilweise bis zu
4000 Meter hohe Gebirgszüge ragten, abzubilden
und zu filmen. Dabei entstand einmaliges Film- und
Fotomaterial, das leider in den Wirren der letzten
Kriegstage verschwand. Eingeschweißt in Metallhülsen,
lagerten Filme mit mehr als
11 000 Bildern bis dahin sicher in einem Bunker
unter dem Firmengebäude der Hansa - Luftbild in
Berlin. Einige Fotos aus dem privaten Fundus von
Siegfried Sauter, teilweise unveröffentlichtes Material
dieser eindrucksvollen Exkursion ins ewige Eis,
haben jedoch überlebt und sind nun hier zu sehen.
Der heute 92-jährige ist übrigens der einzige noch
lebende Zeitzeuge der Expedition 1938/39.
Es war eine, vor der Öffentlichkeit weitgehend geheimgehaltene
Unternehmung, die im Frühjahr
1938 von der deutschen Reichsregierung unter Federführung
von Hermann Göring beschlossen wurde.
Der Plan, ein Expeditions-Team in die Antarktis
zu schicken, sollte umgesetzt werden. Der offiziell
ausgegebene Zweck war, sich Walfangrechte zu sichern.
Die „Ernährung der deutschen Bevölkerung
im Kriegsfall“ war hierfür die interne Umschreibung.
Doch auch die Sicherung vermuteter Bodenschätze
unterm ewigen Eis und die strategische Bedeutung
im Falle einer militärischen Auseinandersetzung in
dieser Region waren Triebfedern. Andere Staaten
waren in dieser Hinsicht seinerzeit wesentlich aktiver.
Man musste sich beeilen um den Anschluss
nicht zu verpassen. So wurden im Frühjahr 1938
alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Expedition zu
organisieren. Ein gewisser Staatsrat Helmut Wohlfahrt
wurde mit den Vorbereitungen betraut.


Als erstes musste ein kompetenter Expeditionsleiter
gefunden werden. Das Anforderungsprofi l war
nicht einfach: er sollte Kapitän sein, zu Wasser und
in der Luft und außerdem Polarerfahrung besitzen.
Es fand sich schließlich mit Regierungsrat Alfred
Ritscher die ideale Besetzung für den Posten. Dabei
störte auch sein fortgeschrittenes Alter von 60
Jahren nicht. Ritscher war hochgeachtet. So hatte
er im Jahre 1912 im Rahmen einer Polarexpedition
die Durchquerung des Nordostlandes von Spitzbergen
gewagt. Doch der Versuch scheiterte. Die
Wetterveränderungen wurden falsch eingeschätzt.
Er musste sein Schiff auf Sand setzen, die Mannschaft
war nahe dem Hungertod. Man war mit wenig
Proviant gestartet, das Wagnis war nicht einkalkuliert
worden. Alfred Ritscher zögerte nicht lange.
Einen Tag nach der Havarie zog er bei 30 Grad
Kälte, begleitet von einem Schäferhund los, um
in einer 210 Kilometer entfernt liegenden Ansiedlung
Hilfe zu holen. Ohne Polarkleidung und nur
mit wenig Proviant ausgestattet, brauchte Ritscher
sieben Tage. Unglücklicherweise brach er kurz vor
dem Ziel ins Eis ein, so dass ihm später der halbe
rechte Fuß abgenommen werden musste.
„MS Schwabenland“ Ritschers größtes Problem wiederum war es, bis
zum vorgegebenen Starttermin der Expedition ein
brauchbares Schiff auf zu tun. Die Expedition sollte
pünktlich am 17. Dezember losgehen, um den
antarktischen Sommer, der bis Mitte März geht,
ausnützen zu können.
Er wurde schließlich fündig. Das Katapultschiff
„MS Schwabenland“, von der Lufthansa im transatlantischen
Luftverkehr eingesetzt, wurde zum Expeditionsschiff
auserkoren, die Lufthansa an der
Expedition als Partner beteiligt.
Die „Schwabenland“ wurde im Herbst 1938 in
den Werften von Hamburg für ihre Mission in der
Antarktis umgerüstet. Ein Dampfkatapult am Heck
des Schiffes war in der Lage, Flugzeuge mit einem
Gesamtgewicht von zehn Tonnen in den Himmel zu
schicken. Diese fortschrittliche Technik hat 1934
bereits von der Lufthansa für den Postverkehr mit
Südamerika Verwendung gefunden. Eine Million
Reichsmark verschlang seinerzeit der Umbau des
Schiffes.

Die Luftbildner

Die beiden an Bord befi ndlichen Flugboote vom Typ
Dornier-Wal, „Boreas“ und „Passat“, waren mit jeweils
zwei BMW Motoren mit je 630 PS Leistung bestückt
und hatten eine Reichweite von 2500 Kilometern.
Die Flugboote waren mit Carl-Zeiss-Reihenkameras
des Typs RMM 38 ausgestattet. Flugbildner in der
„Passat“ war Max Bundermann, in der „Boreas“ tat
Siegfried Sauter seinen Dienst. Sauter, der bei der
Luftwaffe zum Luftbildner ausgebildet wurde, stand
zu diesem Zeitpunkt in den Diensten der Lufthansa.
Flugkapitän der „Boreas“ war Richard Heinrich Schirmacher.
Kurz vor Beginn der Expedition, nachdem die gesamte
Mannschaft engagiert war, kam es noch zu einer bemerkenswerten
Begebenheit. Mitte November 1938
kam der amerikanische Antarktisforscher Richard
Evelyn Byrd, auf Einladung der Polarschiffahrtsgesellschaft,
nach Hamburg. Dort führte er im Lichtspielhaus
Urania einen Antarktisfi lm vor, mit dem Titel:
„Mit Byrd zum Südpol“. Unter den Zuschauern befand
sich auch ein großer Teil des Expeditions-Teams. Byrd
hatte den Südpol 1929 fast überfl ogen und machte
immer wieder auf sich aufmerksam. Am kuriosesten
war wohl sein „Byrdmobil“, einem monströsen Fahrzeug,
das Gletscherspalten überwinden konnte. Nach
Kriegsende leitete er für die USA eine Südpol - Expedition,
von der noch die Rede sein wird.
Von Hamburg ans Ende der Welt
Am 17. Dezember 1938 um 12 Uhr und 33 Minuten
war es schließlich soweit. Die „Schwabenland“ stach
von Hamburg aus in See in Richtung Antarktis. Nach
zwei Wochen ohne nennenswerte Vorkommnisse, näherte
sich der Jahreswechsel.
Der Silvestertag fi el, wie der Zufall es wollte, mit der
Äquatortaufe zusammen – einem Ritual unter Seeleuten,
bei Überquerung desselben. Auf dem Vordeck beschwor
man Neptun und feierte mit der Bordkapelle
ins neue Jahr. Originalinschrift des Taufscheins von
Siegfried Sauter: „Hiermit tun wir kund, dass der Täufling
am 31. Dezember 1938 die Äquatorlinie auf 0.00
Grad Breite und 0.15 Grad Länge passiert hat. Der
Täufl ing wurde nach altem Brauch vom Staube der
nördlichen Halbkugel gereinigt und auf den Namen
„DORNHAI“ getauft“.
Am 9. Januar passierte die „Schwabenland“ die Insel
„Tristan da Cunha“ im südlichen Pazifi k.
Das Eiland umrankt eine seltsame Geschichte: Engländer
annektierten 1806 die Insel, lösten ihre Garnison
später jedoch wieder auf. Der Einzige, der
blieb war der Schotte William Glas. Dieser ließ seine
Frau nachkommen und zeugte 16 Kinder. Er gilt als
Stammvater der heutigen Einwohnerschaft, die sich
auf 128 Personen beläuft.
Am 19. Januar 1939 wurden die vorgelagerten Inseln
der Antarktis erreicht.