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Kategorie: Zeitgeschichte
07.07.2016

TIP TOP, BÜFFELWACHS & Co

Von: Tom Krink

Erinnerungen an die Firma Koch & Schenk
Chemische Fabrik Ludwigsburg

Vielleicht erinnern sich einige unserer etwas älteren Leser noch daran wie früher die Skier gängig und somit der temporären Schneesituation angepasst wurden. Man zog die entsprechend eingefärbten Wachs-Sticks aus der Packung und bearbeitete die Skier. Oder wie unsere Großmütter ihre Holz- und Linoleumböden mit einem sogenannten "Blocker" pflegten und damit einen unvergleichlichen Wachsgeruch im Raum verströmten…

Fast ein ganzes Jahrhundert versorgte die Firma Koch & Schenk Verbraucher im In- und Ausland mit Schuhcreme, Bohner- und Skiwachs. Zwei Enkel des in Vergessenheit geratenen Ludwigsburger Unternehmen haben recherchiert.

Bei Ebay entdeckte der Schorndorfer Alex Schenk vor einigen Jahren Sammelkarten und Skiwachs aus dem Unternehmen seines Großvaters. Bis in die 70er Jahre produzierte die Firma Koch & Schenk Haushalts- und Wachsartikel. Die kultigen Verpackungen und Werbeplakate finden bei Sammlern großen Anklang. Die Neugierde des in Schorndorf lebenden Designberaters, Alex Schenk war geweckt. Monatelang erforschte er die Firmengeschichte seiner Vorfahren. 

Der Apotheker Max Koch und der Chemiker Guido Schenk gründeten 1883 die Firma Koch & Schenk. Begonnen wurde mit der Produktion von Seifen, Fetten, Ölen und Wachse, vor allem in Form von Bohnerwachs, Waffenfett und Schuhcreme. Vom ersten Standort in der Wilhelmstraße in Ludwigsburg, liefert die Firma bald nach Süddeutschland sowie Österreich, die Schweiz und Italien. Die Fabrikantenvilla von 1887 steht unter Denkmalschutz und ist bis heute erhalten. 

In den 1920er Jahren schafft die Firma den endgültigen Durchbruch mit der Büffel-Beize. 

Wie Alex Schenk aus einem Schriftwechsel entnimmt, welchen er im Stadtarchiv der Stadt Ludwigsburg entdeckt hat, beschweren sich einige Nachbarn über den Gestank der Öl- und Fettproduktion. Ein neuer Standort muss gefunden werden und so zieht die Firma 1925 in die Grönenstraße 1, in die Ludwigsburger Weststadt. 

Für die damalige Zeit baut dort die Fima Koch & Schenk eine hochmoderne Produktionsstraße auf. Anfangs werden die Produkte mit dem Transportpferd "Liesl", in Kisten verpackt, zum Bahnhof befördert und von dort mit dem Zug versendet. Später wird ein LKW für diese Aufgabe eingesetzt. In den 40er Jahren kommen die Söhne von Guido Schenk in die Firma. Auch der Großvater von Alex Schenk, Dr. Alfred Schenk tritt in das Unternehmen ein, dass er später alleine weiterführen wird.

Eine zweite Generation von Produkten wird in den Wirtschaftswunderjahren entwickelt, mit der die Firma erneut den Durchbruch schafft. Cito Faltboot- und Zeltpflege und Tip Top Skiwachs stehen für eine freizeitbewusste Gesellschaft. Die Firma erwirtschaftet mit nur 20 Mitarbeitern, hohe Gewinne.

Alex Schenk konnte bei einem Onkel in Österreich Reste des Ludwigsburger Firmenarchivs sichern. Darin befanden sich neben Werbematerial auch alte Zeitungsanzeigen, die Einblick in die Werbeentwicklung im 20. Jahrhundert gibt. Werbelieder, eines davon gesungen von Ruth Mönch und Willi Seiler, Sammelkarten, Kundenbefragungen, Preisausschreiben und Werbefiguren mit hohem Wiedererkennungswert tauchten auf.

1973 scheint die Zeit für derartige Wachsprodukte vorbei, die Söhne wollen die Firma nicht weiterführen, Koch & Schenk schließt ihre Pforten. Weder die innovativen Materialien der Skier noch die versiegelten Bodenbeläge sind länger auf Wachspflege angewiesen.

Das Gelände wird eine Zeit lang verpachtet, 1988 werden die Gebäude verkauft und abgerissen.

Der Düsseldorfer Kunstprofessor Cornelius Völker, ein anderer Enkel von Alfred Schenk, kennt das Firmengelände aus seiner Kindheit. Fünf Jahre lang, in den 60er und 70er Jahren wohnte er dort. Er hat in dieser Zeit viel vom Arbeiten und Leben in der Fabrik mitbekommen. Heute befindet sich ein Parkplatz auf dem Areal. Völker lebt inzwischen in Düsseldorf und New York als Künstler und lehrt in Münster. "Jedes Mal wenn ich nach Ludwigsburg zurückkomme, schockiert mich die Tatsache, dass alles weg ist… die Firma, der große Garten und die Taubenzucht des Onkels". Auf einem Flohmarkt entdeckte Völker vor Jahren zufällig eine Dose Büffel-Bohnerwachs. Er hat sie natürlich erstanden. Beim Öffnen machte sich sofort der Geruch seiner Kindheit breit. Es roch wie in der Halle der ehemaligen Firma Koch & Schenk.

Im Mai fand ein großes Treffen vieler ehemaligen Mitarbeiter im Pflugfelder Torhaus statt. Die Enkel Alex Schenk und Cornelius Völker hatten mit einem Aufruf in der LKZ nach Zeitzeugen gesucht. Zirka 50 Menschen kamen zusammen um Erinnerungen auszutauschen. Darunter Familienmitglieder, frühere Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Alfred Schenk wurde als ein Chef, der sich wie ein Familienvater verhalten hat, gewürdigt.